Sauerteig ansetzen: so geht’s Tag für Tag, bis zu deinem ersten Brot
Du möchtest zu Hause Sauerteig ansetzen? Das wirkt einschüchternd, bis du es einmal gemacht hast. Danach merkst du, dass es zu den einfachsten Dingen in der Küche gehört: Mehl, Wasser und eine Minute am Tag.
Sauerteig ist fermentiertes Mehl mit Wasser. Die Hefen und Bakterien, die ganz natürlich im Mehl leben, werden wach, ernähren sich von seinem Zucker und bilden mit der Zeit eine lebendige Kultur, die Brot ohne Backhefe aufgehen lässt. Bis er fertig ist, dauert es ein bis zwei Wochen, je nachdem, wie warm deine Küche ist. Und wenn du ihn einmal hast, bleibt er dir erhalten, solange du ihn weiter fütterst.
Hier erzählen wir dir, wie wir ihn von Grund auf ansetzen: was du am ersten Tag und an den folgenden Tagen machst, was du im Glas sehen wirst (auch an den Tagen, an denen er tot wirkt, es aber nicht ist), woran du erkennst, dass er fertig ist, und wie du ihn danach pflegst, um damit Brot zu backen.
So machen wir ihn zu Hause, Schritt für Schritt
Sauerteig selber ansetzen
Kochutensilien
- Glas mit weiter Öffnung etwa 500 ml
- Küchenwaage
- Löffel zum Umrühren und Abnehmen
- Gummiband oder ein Aufkleber, um den Füllstand zu markieren
- Deckel oder Tuch das nicht luftdicht abschließt
Zutaten
Tag 1
- 50 g Weizenmehl Type 405 oder 550
- 50 g Wasser zimmerwarm
Jeden Tag ab Tag 2
- 50 g Weizenmehl
- 50 g Wasser zimmerwarm
Anleitungen
Tag 1: die erste Mischung
- Such dir ein Glas aus. Ideal ist ein Glas mit weiter Öffnung und etwa 500 ml, aber jedes Schraubglas oder Trinkglas, das du zu Hause hast, tut es auch.
- Misch das Mehl mit dem Wasser. Je 50 g, das Wasser zimmerwarm. Es muss nicht genau sein: 5 g mehr oder weniger sind egal. Rühr, bis kein trockenes Mehl mehr übrig ist.
- Markier den Füllstand. Mit einem Gummiband oder einem Aufkleber rund ums Glas, genau auf Höhe der Mischung. So siehst du auf einen Blick, wie weit er aufgeht.
- Deck ihn locker ab. Der Sauerteig gibt Gase ab, und die müssen entweichen können: ein aufgelegter Deckel, ein Tuch mit einem Gummiband oder ein Einmachglas ohne Gummiring. Nie luftdicht.
- Lass das Glas bis morgen auf der Arbeitsfläche stehen. In der wärmsten Ecke der Küche. Wir stellen es neben den Kühlschrank, der durch den Motor etwas Wärme abgibt.
Ab Tag 2: das tägliche Füttern
- Rühr um, was im Glas ist. Wenn du etwas Flüssigkeit an der Oberfläche siehst, kannst du ein bisschen abgießen oder sie unterrühren: Beides funktioniert.
- Nimm ungefähr die Hälfte weg. Mit einem Löffel und nach Augenmaß: Solange du ihn ansetzt, muss es nicht genau sein. In den ersten Tagen wirfst du weg, was du abnimmst.
- Gib 50 g Mehl und 50 g Wasser dazu. Mit dem Glas auf der Waage und auf null gestellt. Rühr, bis keine trockenen Klümpchen mehr da sind.
- Putz die Glaswand und schieb das Gummiband hoch. Schieb die Reste am Glas mit dem Löffel nach unten und setz das Gummiband auf den neuen Füllstand.
- Deck ihn ab und stell ihn bis morgen auf die Arbeitsfläche. Wiederhol das jeden Tag. Wenn du es mal einen oder zwei Tage vergisst, ist das kein Problem: Mach am nächsten Tag genauso weiter.
Wann er fertig ist
- Achte auf den Geruch. In den ersten Tagen riecht er richtig unangenehm, und das ist normal. Wenn er angenehmer riecht, nach Apfel, nach Joghurt oder nach etwas Fermentiertem, bist du auf dem richtigen Weg.
- Schau, wie lange er braucht, um sich zu verdoppeln. Wenn er nach dem Füttern sein Volumen in ähnlicher Zeit verdoppelt (zum Beispiel in etwa 4 Stunden), mindestens 3 Tage hintereinander, ist er bereit zum Brotbacken.
- Wenn du noch kein Brot backst: ab in den Kühlschrank. Du musst ihn nicht mehr täglich füttern: Einmal pro Woche reicht. Weiter unten erzählen wir dir, wie du ihn aufbewahrst und fürs Brot vorbereitest.
Notizen
- Solange du ihn ansetzt, klappt es perfekt, die Hälfte nach Augenmaß wegzunehmen. Auf die Gramm kommt es an, wenn du ihn fürs Brot fütterst.
- Zwischen Tag 3 und 6 ist es normal, dass scheinbar nichts passiert. Er ist nicht tot: Bleib bei der Routine.
- Im Sommer, wenn es warm ist, dauert es etwa 7 Tage, im Winter zwei Wochen oder länger. Die Tabelle mit den Zeiten je nach Temperatur findest du weiter unten.
- Jedes Weizenmehl funktioniert, Type 405 oder Type 550. Weizenvollkornmehl oder Roggenvollkornmehl legen schneller los, sind aber weniger gleichmäßig: Wenn du damit anfängst, wechsle nach 3 oder 4 Tagen zu hellem Mehl.
- Leitungswasser, wenn es nicht nach Chlor riecht. Wenn doch, gefiltertes Wasser oder Wasser aus der Flasche. Immer zimmerwarm.
- Insgesamt brauchst du etwa 350 g Mehl, wenn es eine Woche dauert, und etwa 700 g, wenn es zwei Wochen dauert. Mit einer 1-kg-Packung hast du mehr als genug.
- Wenn du rosa, orange oder grüne Flecken siehst oder Flaum, ist das Schimmel: Dann wirfst du ihn komplett weg und fängst von vorne an.
- Schon fertig? Weih ihn mit unserem Sauerteigbrot für Anfänger ein.
Hast du eine Frage zum Rezept? Frag uns in den Kommentaren, wir antworten dir. Und wenn du es nachmachst, erzähl uns, wie es geworden ist, wir freuen uns riesig, von dir zu lesen! 🤗
Was du im Glas siehst, Tag für Tag
Die Zeiten hängen stark von der Temperatur ab, nimm die Tage also nur als Orientierung. Was sich nicht ändert, ist die Reihenfolge, in der alles passiert.
| Wann | Was du siehst | Was du machst |
|---|---|---|
| Tag 1 | Eine dicke Paste, ohne Bläschen | Locker abdecken und bis morgen warten |
| Tag 2 und 3 | Ein paar Bläschen, er geht etwas auf und fängt an, streng zu riechen | Das tägliche Füttern |
| Ab Tag 3 oder 4 | Es scheint nichts zu passieren: keine Bläschen, kein Aufgehen, und er riecht unangenehm | Dasselbe wie immer. Genau jetzt werfen ihn die meisten weg, und das solltest du nicht tun |
| Die Tage danach | Er wird wieder aktiv, und der Geruch wird angenehmer | Darauf achten, wie lange er braucht, um sich zu verdoppeln |
| Zwischen Tag 7 und 14 | Er verdoppelt sich in ähnlicher Zeit, mindestens 3 Tage hintereinander | Er ist fertig |
Warum er erst aufgeht und dann stehen bleibt
Diese erste Aktivität ist noch nicht dein Sauerteig. Am Anfang ist im Glas alles Mögliche unterwegs, und als Erstes vermehren sich Mikroorganismen, die wir gar nicht haben wollen: Von ihnen kommen die ersten Bläschen und dieser strenge Geruch. Je saurer die Mischung wird, desto ungemütlicher wird es für sie, und sie verschwinden, während sich die Hefen und Milchsäurebakterien, die wir wollen, noch einrichten. Deshalb gibt es ein paar Tage, an denen das Glas wie eingeschlafen wirkt.
Ob sich etwas tut oder nicht, beides ist völlig in Ordnung. Bleib jeden Tag bei deiner Routine, und in ein bis zwei Wochen hast du deinen Sauerteig.
Woran du erkennst, dass dein Sauerteig fertig ist
Das ist der Teil, der die meisten Fragen aufwirft, also gehen wir es in Ruhe an. Es gibt zwei Zeichen, und beide müssen zutreffen.
Er verdoppelt sich in derselben Zeit, mindestens 3 Tage hintereinander. Das ist das verlässlichste Zeichen. Es reicht nicht, wenn er an einem Tag aufgeht: Er muss es regelmäßig tun. Zum Beispiel fütterst du ihn, und nach 4 Stunden hat er sich verdoppelt. Am nächsten Tag fütterst du ihn, und er verdoppelt sich wieder in ähnlicher Zeit. Und am dritten Tag genauso. Dann ist er fertig. Das Gummiband, das du am ersten Tag ums Glas gelegt hast, macht es dir ganz leicht, denn du siehst auf einen Blick, ob er das Doppelte erreicht hat.
Der Geruch hat sich verändert. In den ersten Tagen wird er richtig unangenehm riechen. Er ist weder verdorben noch tot noch verfault: Die guten Bakterien haben den Kampf einfach noch nicht gewonnen. An dem Tag, an dem du ihn aufdeckst und er angenehmer riecht, ein bisschen nach Apfel, nach Joghurt oder nach etwas Fermentiertem, das du dir essbar vorstellen kannst, bist du auf dem richtigen Weg. Ab dann achtest du darauf, ob er sich in derselben Zeit verdoppelt.
Dauerhaft reif oder heute genau richtig
Wenn dein Sauerteig beide Zeichen zeigt, ist er reif, und das bleibt er, solange du ihn fütterst. Das heißt aber nicht, dass du jederzeit damit backen kannst. Jedes Mal, wenn du ihn verwenden willst, muss er auf seinem Höhepunkt sein: ein paar Stunden vorher gefüttert, mit gewölbter Oberfläche, Bläschen oben und an der Glaswand und einem milden, säuerlichen Geruch, wie Joghurt.
Nach seinem Höhepunkt fällt der Sauerteig langsam wieder in sich zusammen. Ist die Mitte leicht eingesunken, hat er seinen höchsten Punkt überschritten, hat aber noch Kraft. Ist er ganz zusammengefallen und riecht sehr sauer, ist er zu weit gegangen und braucht noch eine Fütterung. Ausführlicher erklären wir das bei unserem einfachen Sauerteigbrot.
Wie lange es je nach Temperatur dauert
Das ist nur ein Richtwert, denn jede Küche ist anders, aber so weißt du ungefähr, was dich erwartet:
| Temperatur in deiner Küche | Ungefähre Dauer |
|---|---|
| Kühl, im Winter: 17-19 °C | 14-21 Tage, und länger, wenn es unter 17 °C geht |
| Mittel: 20-23 °C | 10-14 Tage |
| Warm, im Sommer: 24-27 °C | 7-10 Tage |
Als Faustregel: Bei etwa 20 °C kann es zwei Wochen dauern, bei etwa 26 °C eine. Sieben Tage sind die optimistische Variante, normal im Sommer, wenn es warm ist. Wenn es Winter ist und du zwei Wochen brauchst, ist das völlig normal.
Wenn es bei dir zu Hause kühl ist, such dir die wärmste Ecke. Wir stellen ihn auf die Arbeitsfläche neben den Kühlschrank: Der Motor gibt etwas Wärme ab, und diese Ecke ist immer ein bisschen wärmer als der Rest der Küche.
Ob es länger oder kürzer dauert: Wenn du jeden Tag bei der Routine bleibst, wirst du es schaffen.
Warum du jeden Tag die Hälfte wegnimmst (und was du mit dem Rest machst)
Würdest du nur Mehl und Wasser dazugeben, ohne etwas wegzunehmen, würde der Sauerteig immer weiter wachsen, und jede Fütterung gäbe ihm im Verhältnis zu allem, was schon im Glas ist, immer weniger Futter. Wenn du ungefähr die Hälfte wegnimmst, bleibt er in einer handlichen Größe, und jede Fütterung macht ihn wirklich satt.
Abwiegen musst du das nicht. Solange du ihn ansetzt, reichen ein Löffel und Augenmaß völlig.
Was du wegnimmst, nennt man Discard. In den ersten Tagen, solange der Sauerteig noch nicht fertig ist, wirfst du ihn normalerweise weg. Ist er reif, musst du nichts verschwenden: Aus dem Discard werden richtig gute fluffige Sauerteig-Pancakes.
Welches Mehl und welches Wasser
Fast jedes Mehl funktioniert. Du musst nur darauf achten, dass in der Zutatenliste Weizenmehl steht. Wenn noch etwas wie Enzyme dabei ist, ist das auch in Ordnung.
- Weizenmehl Type 405 oder Type 550: Beide funktionieren sehr gut, und damit ist es am einfachsten.
- Weizenvollkornmehl oder Roggenvollkornmehl: Sie geben am Anfang einen Schub, und die Aktivität setzt früher ein.
- Dinkelmehl: Dinkel ist auch ein Weizen, deshalb funktioniert er genauso.
Der Haken beim Vollkornmehl: Es ist weniger stabil. Der Sauerteig verhält sich jeden Tag etwas anders, und das kann dich bei der Regel mit dem Verdoppeln in derselben Zeit verwirren, die mit hellem Mehl sehr gut funktioniert. Wenn du ungeduldig bist, nimm in den ersten 3 oder 4 Tagen Vollkornmehl und wechsle dann zu hellem.
Zum Füttern, wenn er reif ist, eignen sich Type 405 und Type 550 gleichermaßen: Er braucht Futter, nicht die Kraft des Glutens. Nimm immer dasselbe Mehl, dann verhält er sich jedes Mal gleich.
Zum Wasser: Leitungswasser ist in Ordnung, wenn es nicht nach Chlor riecht oder schmeckt. Wenn du es merkst, nimm gefiltertes Wasser oder Wasser aus der Flasche. Und immer zimmerwarm, nie kalt.
Welches Glas du nimmst und wo es stehen soll
Fast jedes Glasgefäß, das du schon zu Hause hast, eignet sich: ein Schraubglas, ein Krug oder sogar ein Trinkglas, mit etwas zum Abdecken.
Nie luftdicht. Der Sauerteig gibt beim Gären Gase ab, und die müssen entweichen können. Ein lose aufgelegter Glasdeckel, ein Tuch mit einem Gummiband oder ein Einmachglas, von dem du den Gummiring abnimmst.
Zur Größe: Ideal ist ein Glas mit weiter Öffnung und etwa 500 ml Inhalt. Die Rechnung ist einfach: Wenn du jeden Tag die Hälfte wegnimmst und 50 g Mehl und 50 g Wasser dazugibst, pendelt sich das Glas nach ein paar Tagen bei etwa 200 g Sauerteig ein, und wenn er sich verdoppelt, nimmt er etwa 400 ml ein. Mit 500 ml hat er Platz zum Aufgehen, ohne überzulaufen. Wenn du nur eins mit etwa 300 ml hast, geht das auch: Nimm dann kleinere Mengen, aber immer gleich viel Mehl wie Wasser.
Halte es sauber: Wenn du jeden Tag umrührst, schieb mit einem Löffel oder Messer die Reste nach unten, die an der Glaswand kleben bleiben. Das ist kein Muss, aber mit der Zeit sammelt sich dort trockenes Mehl an, das deinem Sauerteig schaden kann. Füll ihn ab und zu in ein sauberes Glas um.
Wo: auf der Arbeitsfläche, in der wärmsten Ecke der Küche.
So backst du mit deinem Sauerteig Brot
Wenn dein Sauerteig fertig ist, ist Schluss mit Augenmaß. Jetzt kommt es auf die Gramm an, denn vom Verhältnis hängt ab, wann er auf seinem Höhepunkt ist.
Warum das Verhältnis so wichtig ist
Eine Fütterung schreibt man mit drei Zahlen: Sauerteig : Mehl : Wasser. 1:1:1 sind gleiche Teile von allen dreien. 1:5:5 ist ein Teil Sauerteig auf fünf Teile Mehl und fünf Teile Wasser.
Die Regel ist einfach: Je mehr Futter du ihm im Verhältnis gibst, desto länger braucht er bis zu seinem Höhepunkt. Dieselben Hefen und Bakterien müssen mehr Mehl verarbeiten, und das dauert ein paar Stunden länger. Nebenbei wird der Geschmack milder, weniger sauer.
So kannst du die Fütterung an deinen Tagesablauf anpassen:
| Verhältnis | Beispiel | Wann es dir passt |
|---|---|---|
| 1:1:1 | 50 g + 50 g + 50 g | Wenn er in wenigen Stunden bereit sein soll |
| 1:2,5:2,5 | 40 g + 100 g + 100 g | Wenn du am selben Tag Brot backen willst |
| 1:5,5:5,5 | 20 g + 110 g + 110 g | Wenn du ihn abends fütterst und er morgens auf dem Höhepunkt sein soll |
Mit dem mittleren Verhältnis, das wir für unser Brot nehmen, sind das die Zeiten:
- Warme Küche, 24-26 °C: 4-5 Stunden
- Mittelwarme Küche, 20-22 °C: 6-8 Stunden
- Kühle Küche, unter 19 °C: 10-12 Stunden
Und wenn du auf einmal mehr brauchst, nimm mehr Mehl und Wasser und bleib bei dem Verhältnis, das am besten zu deinem Zeitplan passt.
Beispiel: die 180 g für unser Brot

Für unser einfaches Sauerteigbrot brauchst du 180 g aktiven Sauerteig. Am Abend vorher oder am Morgen des Backtags:
- Nimm deinen Sauerteig aus dem Kühlschrank.
- Misch in einem sauberen Glas 40 g Sauerteig, 100 g Mehl und 100 g zimmerwarmes Wasser.
- Lass ihn bei Zimmertemperatur stehen, bis er auf seinem Höhepunkt ist.
- Du hast dann 240 g: 180 g nimmst du für das Brot, die übrigen 60 g kommen in den Kühlschrank. Das ist dein Sauerteig für das nächste Mal.
So verbrauchst du nie deinen ganzen Sauerteig auf einmal: Es bleibt immer ein Teil übrig, mit dem du weitermachst.
Und wenn du Lust auf ein weiches, fluffiges Kastenbrot hast, probier unser Shokupan mit Sauerteig.

So bewahrst du Sauerteig im Kühlschrank auf
Wenn er einmal fertig ist, musst du ihn nicht mehr jeden Tag füttern, außer du backst jeden Tag Brot. Bewahr ihn im Kühlschrank auf, in einem abgedeckten, aber nicht luftdicht verschlossenen Glas, und füttere ihn einmal pro Woche.
Wenn du also einmal pro Woche Brot backst, zum Beispiel am Wochenende, musst du dich nur an diesem Tag um ihn kümmern. Den Rest der Woche ruht er im Kühlschrank.
So fütterst du Sauerteig aus dem Kühlschrank
Wöchentliche Pflege: Nimm ihn heraus, nimm die Hälfte weg und gib gleich viel Mehl wie Wasser dazu, das Wasser zimmerwarm, nie kalt. Wenn du zum Beispiel 100 g hast, nimm 50 g weg und gib 50 g Mehl und 50 g Wasser dazu. Und dann zurück in den Kühlschrank, ohne zu warten, bis er aufgeht.
Zum Brotbacken: die Fütterung aus dem vorigen Abschnitt, ein paar Stunden bevor du ihn verwendest.
Wenn er wochenlang nicht angerührt wurde: Eine Fütterung reicht nicht. Füttere ihn zwei- oder dreimal hintereinander, alle 12 bis 24 Stunden, bis er wieder kräftig aufgeht.
Typische Probleme und wie du sie löst
Fast alles, was einem beim Sauerteig Angst macht, lässt sich beheben. Es gibt nur einen Fall, in dem du ihn wegwerfen musst, und das ist der letzte auf dieser Liste.
Ist mein Sauerteig tot?
Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Das ist die häufigste Frage, und fast immer steckt eine dieser drei Erklärungen dahinter:
- Du bist zwischen Tag 3 und 6. Das ist die Phase, in der er wie eingeschlafen wirkt. Das ist normal: Bleib bei deiner Routine.
- Es ist kalt. Unter 20 °C läuft alles viel langsamer, aber er verdirbt nicht. Stell ihn in eine wärmere Ecke und gib ihm Zeit.
- Er hat Hunger. Wenn du ihn seit Tagen nicht gefüttert hast oder er wochenlang im Kühlschrank stand, füttere ihn zwei- oder dreimal hintereinander.
Wenn du einen Tag vergisst, ihn zu füttern, oder auch zwei, ist das kein Problem: Du musst ihn nicht wegwerfen. Mach am nächsten Tag einfach wie immer weiter.
Verloren ist ein Sauerteig nur, wenn er schimmelt. Dazu weiter unten mehr.
Er riecht unangenehm oder nach Aceton
Das hängt davon ab, wann:
- In den ersten Tagen ist es normal, dass er richtig unangenehm riecht, und viele beschreiben es als Aceton oder Nagellackentferner. Das gehört dazu: Die guten Bakterien haben sich noch nicht durchgesetzt. Bleib bei der Routine, bis der Geruch zu Apfel oder Joghurt wechselt.
- Wenn er schon reif ist, bedeutet der Acetongeruch, dass er Hunger hat: Er hat das Mehl aufgefressen und seinen Höhepunkt längst überschritten. Füttere ihn ein- oder zweimal, bevor du ihn verwendest.
Ein reifer Sauerteig riecht säuerlich, nach Joghurt oder nach etwas Fermentiertem.
Oben steht Flüssigkeit
Wenn du einmal das Füttern vergisst, findest du vielleicht eine gräuliche oder dunkle Flüssigkeitsschicht auf der Oberfläche. Das ist Wasser mit dem Alkohol, den die Hefen bilden, wenn ihnen das Futter ausgeht: ein Zeichen von Hunger, mehr nicht. Du kannst zwei Dinge tun, und beide funktionieren: etwas von der Flüssigkeit abgießen oder alles zusammen umrühren und wie immer füttern.
Er geht nicht auf, oder er geht auf und fällt zusammen
- Wenn er nach zwei Wochen gar nicht aufgeht: Prüf die Temperatur (das ist die Ursache Nummer eins), das Wasser (wenn es nach Chlor riecht, nimm gefiltertes Wasser oder Wasser aus der Flasche) und das Mehl (in der Zutatenliste muss Weizenmehl stehen).
- Wenn er aufgeht und dann zusammenfällt: Das ist normal. Nach seinem Höhepunkt fällt der Sauerteig nach und nach zusammen. Wenn er eingesunken ist und oberhalb des Füllstands Reste an der Glaswand kleben, ist er schon aufgegangen und wieder gefallen: Schau beim nächsten Mal früher nach.
- Wenn er an einem Tag aufgeht und am nächsten nicht: Er ist noch nicht stabil. Füttere ihn weiter jeden Tag, bis er sich mindestens 3 Tage hintereinander in derselben Zeit verdoppelt. Wenn du Vollkornmehl nimmst, wechsle zu hellem, das ist viel gleichmäßiger.
Er hat bunte Flecken oder Flaum: Dann musst du ihn wegwerfen
Wenn du rosa, orange, grüne oder schwarze Flecken siehst oder einen Flaum auf der Oberfläche, ist das Schimmel. Dann gibt es keine Rettung: Wirf ihn komplett weg, ohne zu versuchen, den unteren Teil zu retten, spül das Glas gründlich mit heißem Wasser und fang von vorne an. Das passiert selten, wenn du jeden Tag bei der Routine bleibst und die Glaswand sauber hältst, aber es ist der einzige Fall, in dem du einen Sauerteig wegwerfen musst.
Häufige Fragen zum selbstgemachten Sauerteig
Ist Sauerteig dasselbe wie Anstellgut, Starter oder Levain?
Ja, das sind verschiedene Namen für dasselbe: eine Kultur aus Mehl und Wasser, mit Hefen und Bakterien, die Brot aufgehen lässt. Im Deutschen sagt man meistens Sauerteig, aber du wirst auch Anstellgut, Sauerteigstarter oder Levain lesen, das ist der französische Name. Auf Englisch heißt er sourdough starter, und viele sagen einfach Starter. Etwas anderes ist Backhefe, egal ob frisch oder trocken: Das ist eine einzige, ausgewählte Hefe, ohne Bakterien.
Wie oft muss ich Sauerteig füttern?
Das hängt davon ab, wo er steht. Solange du ihn ansetzt, und immer, wenn er auf der Arbeitsfläche lebt, einmal am Tag. Wenn er fertig ist und im Kühlschrank wohnt, reicht einmal pro Woche, und vor dem Brotbacken fütterst du ihn ein paar Stunden, bevor du ihn verwendest. Wenn du es mal vergisst, ist das kein Problem: Mach weiter, sobald du kannst.
Kann man Sauerteig schnell oder mit Hefe ansetzen?
Ein echter Sauerteig entsteht nicht in ein oder zwei Tagen: Er braucht ein bis zwei Wochen, bis sich seine Hefen und Bakterien angesiedelt haben. Rezepte für schnellen Sauerteig oder Sauerteig mit Frischhefe verwenden Backhefe, und heraus kommt etwas anderes, ein Vorteig. Der gibt einem Hefebrot etwas mehr Geschmack, verhält sich aber nicht wie Sauerteig und schmeckt auch nicht so. Wenn du es eilig hast, kannst du deinen aber etwas beschleunigen: in den ersten Tagen Vollkornmehl und die wärmste Ecke der Wohnung.
Muss ich Obst, Rosinen, Joghurt oder Saft dazugeben?
Nein. Man kann Sauerteig auch mit Obst ansetzen, aber das ist komplizierter und nicht nötig. Mit Mehl und Wasser geht es am einfachsten, und es funktioniert: Alles, was er braucht, steckt schon im Mehl.
Was mache ich mit dem Sauerteig, den ich jeden Tag wegnehme?
In den ersten Tagen wirfst du ihn weg: Solange dein Sauerteig nicht fertig ist, ist dieser Discard noch kein stabiler Sauerteig, und es lohnt sich nicht, ihn zu verwenden. Wenn er reif ist, verwerte ihn: Wir machen daraus fluffige Sauerteig-Pancakes, die richtig gut werden. Und wenn du ihn mal nicht verwenden magst, ist Wegwerfen auch überhaupt kein Problem.
Kann ich nur Vollkornmehl nehmen, ohne je zu hellem Mehl zu wechseln?
Ja, du kannst die ganze Zeit Vollkornmehl nehmen. Der Haken ist, dass Vollkornmehl weniger gleichmäßig ist: Der Sauerteig braucht unterschiedlich lange, um sich zu verdoppeln, und es ist schwerer zu erkennen, wann er fertig ist. Deshalb ist es meist am einfachsten, mit Vollkornmehl anzufangen, um ihn anzuschieben, und danach zu hellem zu wechseln.
Kann ich Leitungswasser nehmen?
Ja, wenn es nicht nach Chlor riecht oder schmeckt, und abkochen musst du es nicht. Wenn du Chlor merkst oder unsicher bist, nimm gefiltertes Wasser oder Wasser aus der Flasche. Auf jeden Fall zimmerwarm, nie kalt.
Bei mir wird es im Winter keine 20 °C warm, und ich sehe kaum Aktivität. Habe ich versagt?
Nein. Im Winter ist Sauerteig viel langsamer, und unter 20 °C kann er zwei Wochen oder länger brauchen. Kälte bremst ihn, aber sie verdirbt ihn nicht. Stell ihn in die wärmste Ecke der Wohnung, zum Beispiel neben den Kühlschrank oder in einen Schrank, nimm zum Füttern handwarmes Wasser und gib ihm Zeit.
Wie lange hält er im Kühlschrank, ohne dass ich ihn füttere? Und wenn ich in den Urlaub fahre?
Ideal ist es, ihn einmal pro Woche zu füttern, aber er hält deutlich länger. Wenn du aus dem Urlaub zurückkommst und er wochenlang nicht angerührt wurde, wirf ihn nicht weg: Füttere ihn zwei- oder dreimal hintereinander, alle 12 bis 24 Stunden, bis er wieder kräftig aufgeht.
Wie viel Sauerteig brauche ich für ein Brot?
Das hängt vom Rezept ab. Für unser einfaches Sauerteigbrot nehmen wir 180 g aktiven Sauerteig auf 500 g Mehl, also etwa 360 g pro Kilo. Mit weniger geht es auch, aber die Gare dauert länger. Wichtig ist, dass er auf seinem Höhepunkt ist, wenn du ihn verwendest.
Kann man Sauerteig mit dem Thermomix ansetzen?
Kann man, aber du sparst dir damit nichts. Am ersten Tag rührst du 50 g Mehl und 50 g Wasser mit einem Löffel zusammen, und den Rest erledigen die Zeit und die Temperatur deiner Küche. Wobei dir der Thermomix wirklich helfen kann, ist danach das Kneten des Brotteigs.
Was kann ich außer Brot noch mit Sauerteig machen?
Eine ganze Menge. Wir nehmen ihn auch für Kastenbrot, wie unser Shokupan mit Sauerteig, und aus dem Discard machen wir Pancakes. Er eignet sich für fast jeden Teig, in den normalerweise Backhefe kommt, wenn du die Zeiten anpasst, und bringt mehr Geschmack mit.
Rezept ausprobiert oder noch Fragen?
Hast du vor dem Start noch eine Frage? Frag uns hier unten, wir antworten dir. Und wenn du das Rezept schon gemacht hast, erzähl uns, wie es geworden ist, oder hinterlass uns eine Bewertung: Das hilft uns sehr, damit mehr Menschen das Rezept finden 😊
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